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Ki-do: Das Konzept

Der zeitlich eingeschränkte Leser findet die wichtigsten Informationen gebündelt in der "Kurzinfo".
Die Kurz-Info steht Ihnen auch als Download zur Verfügung.
Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, der klickt auf "Das Konzept Ki-do"

 

1. Kurzinfo: Kinder stärken mit Ki-do

 

Ganzheitliche Gewaltprävention und intelligente Selbstverteidigung

Ki-do ist das Original: Es ist das erste Sicherheitstraining in Deutschland, das bereits 1992 speziell für Kinder von Ralf R. Ide entwickelt wurde: kindgerecht, praxisorientiert, effektiv.  Das Ziel: Kinder und Jugendliche vor allen Formen von Gewalt zu schützen! Um das Erreichen dieses Zieles zu optimieren, werden Eltern und Pädagogen durch Hospitation in die Seminararbeit mit eingebunden. Darüber hinaus ermöglichen spezielle Ki-do Fortbildungen eine fundierte und erfolgreiche gewaltpräventive Arbeit in Schule und Kindergarten. Selbstverständlich haben Eltern und Pädagogen Mitsprache bei den Inhalten, so dass jedes Seminar optimal zugeschnitten ist auf jedes einzelne Kind bzw. auf die Bedürfnisse der Gruppe.

 

Der pädagogisch-psychologische Ansatz des Ki-do distanziert sich von üblichen Selbstvertei-digungs-Konzepten. Hau-drauf-Techniken lösen keine Gewaltprobleme, sie schaffen welche!  Ki-do ist die intelligente Form der Selbst-Verteidigung. Köpfchen statt Faust! Der eigens entwickelte Begriff Ki-do bedeutet: Der Weg der Kinder u n d Der Weg der geistigen Kraft.

 

Das ganzheitliche Konzept des Ki-do bietet für alle Formen der Gewalt (physisch, psychisch, sexuell) effektive Gegenmaßnahmen, die spielerisch und mit Humor in Rollenspielen, Tests, Übungen, Gesprächen und Geschichten erarbeitet werden. So wird methodisch jedes Kind dort abgeholt, wo es steht.

 

Die Stärkung des Ichs, des Selbstvertrauens, des Selbstwertgefühls, der Selbstkontrolle, etc. helfen nicht nur dem potentiellen Opfer; auch kindliche Aggressoren finden Wege aus der Gewalt und der Täter-Rolle.

 

 Die Stärkung des Wir-Gefühls, der sozialen Verantwortung und der Achtung vor dem anderen und seinem Besitz reduzieren Gewalt in Schule und Kindergarten. Durch die Entwicklung sowohl der Individual-Kompetenzen als auch der Sozial-Kompetenzen hilft Ki-do, das notwendige Gleichgewicht beider Kompetenzen zu sichern!

 

Der einzigartige übergreifende Ansatz von Ki-do schützt nicht nur vor Gewalt sondern auch vor Unfall und Auto-Aggression.
Die Basis des Ki-do bilden die 7 Säulen:

 

Die 7 Säulen des Ki-do - Die intelligente Selbst-Verteidigung mit Köpfchen statt Faust!

 

1. Säule: Die äußere Haltung - starke Ausstrahlung und Körpersprache: „Mit mir nicht!"
Die Körpersprache spielt bei der Vorbeugung eine wesentliche Rolle. Was der ganze Körper zeigt, wirkt auf den Täter viel stärker, als was Worte sagen könnten. Opfersignale werden abgelöst durch eine kraftvolle Ausstrahlung (Stand, Haltung, Gestik, Mimik, Blick, Stimmkraft).

 

2. Säule: Die innere Haltung - die Stärkung des Ich
Entwickelt werden das elementar wichtige Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen, Selbständigkeit, Selbstsicherheit, Selbstkontrolle. Mutige Kinder können sich und auch anderen helfen!
Ki-do Kinder können auch „den Mut finden, den Mund aufzumachen" - in allen Situationen: ob im Unterricht oder bei bzw. nach Gewalttaten (Täter abschrecken oder Helfer ansprechen).

 

3. Säule: Wachsamkeit und Vor-Sicht schulen - Gefahren erkennen, Gefahren vermeiden
Wer über potentielle Gefahrensituationen Bescheid weiß, kann sie besser meiden.

Wer seine Umgebung aufmerksam wahrnimmt, kann im Ernstfall schneller und besser reagieren.

 

4. Säule: Das „schlechte Gefühl" aktivieren und sensibilisieren - „Hier ist etwas faul!"
Kinder spüren noch viel natürlicher, wenn etwas nicht stimmt. In diesem Gefühl müssen wir sie bestärken: darauf horchen, darauf vertrauen und dem Gefühl entsprechend handeln - weg!

 

5. Säule: Kontrolle behalten - trotz Angst, Wut, Schreck und Schmerz
Sicherer Umgang mit Emotionen - Gelassenheit in Stress-Situationen! Angst lähmt, Schmerz lenkt ab, Wut macht blind.

Wer Kontrolle behält, handelt überlegt, überlegen und - gewinnt!

 

6. Säule: Detektivische Fähigkeiten schulen - Täter- und PKW-Beschreibung, Hilfe holen
Trotz der Aufregung muss das Kind im Ernstfall in der Lage sein, Tätermerkmale und Autokennzeichen aufzunehmen und sich anzuvertrauen, um weitere Taten vermeiden zu helfen.

 

7. Säule: Partnerschaftlicher Umgang - Stärkung des Wir-Gefühls und der Zivilcourage
Medien, die Gewalt als Mittel der Konfliktlösung präsentieren, brauchen Gegengewichte. So werden Wege gewaltfreier Konfliktlösung und Deeskalationstechniken gelernt. Förderkämpfe u. vertrauensbildende Spiele helfen im partnerschaftlichen Umgang. Integration und Stärkung des Wir-Gefühls verhindern Gewalt und ermöglichen gegenseitiges Helfen im Notfall.

 

Kurzbiographie: Ralf R. Ide ist Erziehungswissenschaftler und von Beruf Studienrat mit den Fächern Englisch und Sport. Neben Pädagogik studierte er noch Theologie, ZEN und Psychologie. Diese Felder gemeinsam mit über 50 Jahren Kampfsporterfahrung (u.a. 5. DAN Karate und 1. DAN Jiu Jitsu) und 30 Jahren SV-Seminare für Jugendliche/Erwachsene sind die Basis für sein Erfolgskonzept Ki-do, mit dessen Entwicklung er 1992 nach 2 Übergriffen auf das erste seiner 4 Kinder begann.

Aus persönlicher Betroffenheit wurde ein Beruf: bundesweit leitet er Ki-do Seminare für Kinder und Jugendliche, Fortbildungen für Eltern und Pädagogen sowie Selbst-Verteidigungs-Seminare für Frauen und Männer.

Kurzinfo (Download)

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Ki-do:

Der Weg der Kinder
Der Weg der geistigen Kraft

- Das Konzept -

1.Einleitung

 

Selbst-Verteidigung ist eigentlich das wichtigste Unterrichtsfach! Wichtiger als Deutsch und Mathe! Warum?
Bei Gefahr oder Gewalt kommt es zu

  • Besitzverlust
  • Freiheitsverlust
  • Psychischer Verletzung
  • Physischer Verletzung oder
  • Tod

 

Nichts ist wichtiger als Lebenserhaltung, trotzdem wird dieses Fach am wenigsten unterrichtet! Allen ist bewusst, dass niemand sicher vor Gewalt ist. Es ist also notwendig, sich selbst verteidigen zu können. Selbst, weil man sich nicht darauf verlassen kann, dass andere es tun. Entweder ist keiner da, sie können es nicht, sie trauen sich nicht oder sie wollen nicht (weil sie Zuschauen interessanter finden).

 

Verkehrserziehung und Schwimmen sind allgemein anerkannte und praktizierte Teilbereiche der Selbst-Verteidigung.


Es gibt ca. 300.000 mißbrauchte Kinder pro Jahr in Deutschland. Trotzdem sind Selbst- Verteidigungs-Seminare gegen (sexuelle) Gewalt noch lange nicht selbstverständlich. Das müssen wir ändern. Das Angebot liegt mit Ki-do vor.

 

Ki-do ist kein verkapptes Karate- oder Judo-Training für Kinder. Karate oder Judo können sie im örtlichen Verein betreiben. Das hat einige sehr positive Effekte (exzellente Schulung der Konditionsfaktoren, etc.) Mit Selbst-Verteidigung - das wird jeder seriöse Trainer zugeben - hat ein solches Training jedoch nichts zu tun. Auf dem Schulhof dürfen Kinder keine Fußtritte oder Hüftwürfe anwenden, und gegen erwachsene Angreifer haben sie damit keine Chance!

 

Was ist und was leistet Ki-do?

Das Projekt Ki-do habe ich zum Schutz der Kinder vor allen Formen der Gewalt 1992 ins Leben gerufen. Es ist das erste Sicherheitstraining in Deutschland, das speziell für Kinder entwickelt wurde: kindgerecht und praxisorientiert.

Ki-do - das Erfolgskonzept - macht Kinder stark und konfliktfähig.

Ich habe nicht die Selbst-Verteidigung erfunden, aber ich habe aus den verschiedenen für Gewaltprävention und Selbst-Verteidigung relevanten Feldern eine einmalige Synthese geschaffen und damit ein spezielles Konzept für Kinder entwickelt: Ki-do.

 

Die 8 Felder für erfolgreiche Gewaltprävention und Selbst-Verteidigung sind:
  • Erziehungswissenschaft
  • Psychologie
  • Theologie und Ethik (Werteorientierung statt Beliebigkeit)
  • ZEN
  • Weisheiten des Bu-do
 
  • Sportwissenschaft
  • Über 45 Jahre Kampfkunsterfahrung (4. DAN Karate, etc.)
  • Über 25 Jahre Leitung von Selbst-Verteidigungs-Seminaren

 

In diesen Zusammenhang gehört, dass ich zwei Töchter und zwei Söhne im Alter von 13 - 25 Jahren habe. Dieser optimale theoretische und praktische Unterbau macht Ki-do zum Erfolgskonzept.

 

Ki-do ist progressiv angelegt und stellt in vierfacher Hinsicht ein übergreifenden Konzept dar:
  • Ki-do stärkt und begleitet die Kinder vom Kindergarten bis zum Schulabschluß.
  • Ki-do bindet alle Beteiligten mit ein: die Kinder durch Kinder-Seminare, Eltern, Erzieher/innen und Lehrer/innen durch spezielle Fortbildungs-Seminare.
 
  • Ki-do schützt durch sein umfassendes Gewaltverständnis vor allen Gewaltformen.
  • Ki-do schützt über das Kindes- und Jugendalter hinaus auch Erwachsene durch spezielle Selbst-Verteidigungs-Seminare für Frauen, Männer, Senioren und Firmen.

 

Selbst-Verteidigung ist - auch wenn es meist anders dargestellt wird - in erster Linie keine bewegungs-technische Angelegenheit von Kampftechniken. Vorrang haben nicht psychomotorische Lernziele und -inhalte sondern kognitive und sozial-affektive. Schwächen sind maßgeblich für Gewalt: sowohl in der aktiven (Täter) als auch in der passiven (Opfer) Rolle. Selbst-Verteidigung ist primär eine pädagogische und psychologische Aufgabe, weil sie sowohl Unterricht im Sozialverhalten als auch eine Stärkung der Psyche erfordert. Deshalb ist mit Ki-do ein pädagogisch-psychologisches Konzept entwickelt worden.


Ki-do
distanziert sich ausdrücklich von den üblichen SV-Konzepten und verzichtet bei Kindern prinzipiell auf die Vermittlung von Kampftechniken. Warum?

1.Die Vermittlung von Schlag- und Tritt-T echniken schützt kein Kind vor einem erwachsenen, körperlich überlegenen Angreifer! Ein Sexualverbrecher, der selbst Gewalt gewohnt ist und die Absicht hat, ein Kind zu missbrauchen und u.U. zu ermorden, lässt sich durch einen Tritt gegen das Schienbein nicht überraschen und schon gar nicht außer Gefecht setzen!

2.Auf dem Schulhof lösen Hau-drauf-Techniken keine Gewaltprobleme, sie schaffen welche!

„Schlagen und Treten gehört in keine pädagogische Einrichtung und in kein pädagogisches Konzept! Die Vermittlung von Kampftechniken an Kinder wird ihre Gewaltprobleme nicht lösen!" findet auch Dr. Christian Böhm von der Beratungsstelle Gewaltprävention in Hamburg.

 

Ki-do setzt auf Köpfchen statt Faust! Ki-do ist die intelligente Form der Selbst-Verteidigung - kein Kampfsport! Ki-do ist Selbst-Verteidigung im echten Sinne des Wortes. Es geht darum, einen Schaden von sich abzuwenden, nicht dem Angreifer anschließend Schaden zuzufügen. (Hier gibt es viel in den Köpfen von Kindern und Erwachsenen geradezurücken.) Setzt eine intelligente Verteidigung in einer frühen Phase eines Konflikts an, erübrigt sich in aller Regel ein körperlicher Gegenangriff.

 

Das ganzheitliche Konzept des Ki-do bietet für die verschiedenen Formen der Gewalt effektive Gegenmaßnahmen, die spielerisch und mit Humor in kind- bzw. alters-gerechten Rollenspielen, Tests, Übungen, Gesprächen und Geschichten erarbeitet werden.

 

Die Stärkung der Individualkompetenzen (Ich-Stärkung: Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl, Selbstkontrolle, etc.) hilft nicht nur dem potentiellen Opfer, auch kindliche Aggressoren finden Wege aus der Gewalt.

 

Die Stärkung der Sozialkompetenzen (Wir-Gefühl und gegenseitige Verantwortung) reduziert die Gewalt in der Schule und fördert Zivilcourage, die Achtung vor Mitschülern und Lehrern sowie deren Eigentum und der Unterrichtsstätte. So wichtig wie die Individualisierung ist die Erziehung zur Gemeinschaft und zu sozialer Verantwortung.

 

Mit Ki-do erzielten diverse Kinder bereits nach einem 3-Tage-Seminar erstaunliche Erfolge: So haben Mädchen durch einen mit dem ganzen Ich ausgeführten Schrei einen sexuellen Angreifer abgeschreckt, sich dann erfolgreich in Sicherheit gebracht, daheim den Mut gefunden, den Vorfall zu berichten und durch die Entwicklung detektivischer Fähigkeiten eine gute Personenbeschreibung geben können.

 

Mobbingopfer haben gelernt, verbale Angriffe an sich abprallen zu lassen. Gleichzeitig wurde das Wir-Gefühl der Klassen so entwickelt, dass die Täter nicht mehr Täter wurden und Mobbingangriffe unterblieben.

 

Kinder, die ausgeraubt werden sollten, haben rechtzeitig die Situation erkannt, die Straßenseite gewechselt und erfolgreich das Prinzip des Ausweichens angewendet.

 

Schüchterne Kinder haben ihre Stimme gefunden, nicht nur um im Fall eines Angriffs abzuschrecken, sondern auch um im Unterricht endlich gute Beiträge leisten zu können. Da sie außerdem gelernt hatten, ihren Standpunkt zu vertreten, bekamen sie nun von Mitschülern die Anerkennung, die ihnen zustand.

 

Das ständig weiter entwickelte heutige Ki-do vereint folgende Erfahrungen:
1. Knapp 30 Jahre Selbst-Verteidigungs-Seminare für Frauen, Männer und Teenager
2. Knapp 20 Jahre Fortbildungs-Seminare für Erzieher/innen, Lehrer/innen und Eltern
3. Knapp 20 Jahre Sicherheits-Seminare für Kinder

Über 30.000 Kinder haben mittlerweile bundesweit erfolgreich und mit großer Begeisterung Ki-do Seminare absolviert. Qualifikation, Qualität und (Lebens-) Erfahrung: das ist es, was Ki-do Seminare auszeichnet.

 

Die folgenden Ausführungen zu Zielen, Inhalten, Methoden und Organisation von Ki-do Seminaren beziehen sich auf die Seminare für Kinder und Jugendliche. Bezüglich der Fortbildung von Eltern und Pädagogen verweisen wir auf unser Seminar-Angebot sowie auf unser „Konzept zur Fortbildung von Lehrer/innen und Erzieher/innen im Bereich Gewaltprävention und Selbst-Verteidigung".

Im Anhang finden Sie Informationen zum Seminarleiter / zu meiner Person. Bei diesem sensiblen Thema wollen die Eltern etwas wissen über die notwendige pädagogisch-psychologische Qualifikation des Lehrers.

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2.Ziele des Ki-do

 

Ziele, Inhalte und Methoden des Ki-do sind abgeleitet aus den realen (Gewalt-) Problemen der Kinder, die hier nur kurz angerissen werden sollen.

Psychische Gewalt durch (stark sexualisierte) Verbalattacken und Gesten, Mobbing und Ausgrenzen verursachen psychosomatische Störungen, Gegen-Gewalt und Auto-Aggression.

Spucken, Schubsen, Würgen, Schläge und Tritte (in die Genitalien) sind alltägliche Formen physischer Gewalt.

Ca. 300.000 Kinder werden jährlich Opfer sexueller Gewalt in Deutschland.

Dazu kommen Unfälle, Auto-Destruktion und Gewalt an Tieren und an Dingen (Vandalismus, Raub). Diese massiven Probleme der Kinder zwingen uns Erwachsene zum Handeln.

Die Ziele im Ki-do sind unterteilt in allgemeine und differenzierte Zielsetzung.

 

Allgemeine Zielsetzung:
Auf einen Satz gebracht ist das Ziel des Ki-do: Kinder schützen, indem wir sie stärken!
Dabei gibt es im Ki-do zwei Ansätze: den präventiven und den re-stabilisierenden Ansatz, wobei - das sei betont - Prävention leichter und kostengünstiger zu realisieren ist:

 

a) Präventiver Ansatz
1. Potentielle Opfer davor schützen, Opfer zu werden = Leid vermeiden
2. Potentielle Täter davor schützen, Täter zu werden = das Abrutschen verhindern

 

b) Re-stabilisierender Ansatz
1. Opfer davor schützen, wieder Opfer zu werden = Beratung und Re-stabilisierung
2. Täter davor schützen, wieder Täter zu werden = zurückbringen auf die rechte Bahn

 

Natürlich geht es dabei in erster Linie um eine Stärkung der Psyche. So lauten zwei im Ki-do entwickelte Kernthesen:

1.Starke Kinder werden keine Opfer!
2.Wirklich starke Kinder werden keine Täter!

 

Oder anders ausgedrückt, geht es um Anti-Opfer- und Anti-Aggressions-Training.

Dabei geht es auf der einen Seite um eine frühe Stärkung der individuellen und sozialen Kompetenzen und auf der anderen Seite um konsequente Hilfestellung bei gewalttätigem Fehlverhalten. Natürlich wollen wir Kinder davor bewahren, Opfer zu werden. Aber es gibt einen weiteren wichtigen Aspekt: Opfer werden Täter! Die Gewalterfahrung des Opfers führt häufig dazu, dass es diese Gewalt als Täter weitergibt. Wenn wir die Zahl der Täter reduzieren wollen, dürfen wir auch aus diesem Grund möglichst keine Opfer zulassen.

 

Innerlich starke Kinder werden weder Opfer noch Täter! Heftige Emotionen wie Angst, Schreck, Schmerz und Wut ver- bzw. behindern angemessene und sinnvolle Reaktionen und senden meist auch Opfersignale aus. Eine schwache Ausstrahlung (Körpersprache) wirkt für Täter „einladend". Die Entwicklung von Individualkompetenzen wie Selbst-Kontrolle, Selbst- Disziplin, Selbst-Verantwortung, Selbst-Ständigkeit, Selbst-Wertgefühl, Selbst-Sicherheit, Selbst-Vertrauen sowie „Nehmer-Qualitäten" - oder anders ausgedrückt: Frustrationstoleranz und Konfliktfähigkeit - spielt also eine fundamentale Rolle im Ki-do.

 

Wer kommt - so gestärkt - in eine Opferrolle?
Wer verliert - so gestärkt - die Kontrolle bei Frust, Misserfolg oder alltäglichen Konflikten?
Wer muß sich - so gestärkt - durch Gewalt gegen andere „beweisen"?
Wer wirklich stark ist - innerlich stark - tritt nicht mit dem Fuß sondern kämpft mit dem Kopf, mit der geistigen Kraft: Ki-do!

 

Von der inneren Stärke ist der erfolgreiche Umgang mit Stress-Situationen maßgeblich abhängig.

Die vielfältigen Stress-Situationen werden im Ki-do in drei Bereiche unterteilt:
1. alltägliche Stress-Situationen (z.B. „Wer geht an die Tafel?")
2. alltägliche Konflikt-Situationen (z.B. Schubsen, Mittelfinger-Geste)
3. außergewöhnliche Gefahren- und massive Gewalt-Situationen (z.B. Missbrauch)

Ki-do Kinder haben es leichter, diese diversen Stress-Situationen zu meistern.

 

Differenzierte Zielsetzung:
Um Kinder effektiv zu schützen, muß Selbst-Verteidigung in einem größeren Kontext gesehen werden. Wir brauchen ein umfassendes Gewaltverständnis, das im Ki-do entwickelt wurde, und wir brauchen ein umfassendes übergreifendes Konzept, das mit Ki-do vorliegt. Ki-do macht Kinder stark und konfliktfähig und hilft ihnen, nicht nur Grenzen zu setzen gegen Angreifer sondern sich in allen Bereichen selbst zu helfen.

Ki-do schützt gegen die verschiedenen Formen der Gewalt durch andere:

  • gegen physische Gewalt
  • gegen psychische Gewalt
  • gegen sexuelle Gewalt

 

Der übergreifende Ansatz des Ki-do ist darüber hinaus gesundheitserhaltend und -erzieherisch und schützt vor

  • Gefahren und Unfällen (durch Unachtsamkeit, Über-Mut, Selbstüberschätzung, etc.)
  • Auto-Destruktion (durch falsche Ernährung, Bewegungsmangel, falsche Haltung, etc.)
  • Auto-Aggression (dieses wichtige Problemfeld bedarf viel mehr Beachtung: Süchte, Ritzen und Suizid sprechen eine deutliche und alarmierende Sprache!)

 

Schließlich fördert Ki-do die Integration und die Achtung vor

  • Mitschülern und Lehrern (Respekt ist keine Einbahnstraße!) sowie
  • deren Eigentum und der Unterrichtsstätte

 

Ki-do erweitert den Gedanken der Selbst-Verteidigung zur Wir-Verteidigung:

  • Entwicklung bzw. Stärkung des Wir-Gefühls
  • Entwicklung bzw. Stärkung der Zivilcourage

Wenn Individual-Kompetenzen und Sozial-Kompetenzen im Einklang sind, dann wird der Selbst-Verteidigungs-Ansatz „Ich pass auf mich auf!" zur übergreifenden Wir-Verteidigung „Wir passen auf uns auf!" Das Aufpassen geschieht im doppelten Sinne: Ich/Wir werde/n nicht Opfer und nicht Täter. Schließlich muß das Wir-Gefühl so erweitert werden, dass auch Fremde in die Wir- Verteidigung eingeschlossen werden. Das erfordert auch die Entwicklung von Zivilcourage.

Das ist die Ki-do Verteidigungs-Kette.

 

Gewissermaßen als „Nebenprodukt" verbessert Ki-do die

  • Leistungen in der Schule
  • die Chancen im Berufsleben

da die Qualitäten, die für die Selbst-Verteidigung gebraucht und entwickelt werden, Basis- Kompetenzen sind, die ebenso ausschlaggebend sind für den Erfolg auf beruflicher Ebene.

 

Darüber hinaus unterstützt Ki-do Erzieher/innen, Lehrer/innen und Eltern durch

  • Vorträge (Aufklärung, Information)
  • Fortbildungs-Seminare

Je fundierter das eigene Wissen, desto leichter und effektiver ist die erzieherische Arbeit.

 

Abschließend geht es auch um eine Bewusstseinsänderung in der Gesellschaft:

  • das Bewusstsein und die Bereitschaft, etwas für die Sicherheit der Kinder auch bei diesem sensiblen Thema „Gewalt an Kindern" zu tun, muß gesteigert werden.
  • die Relationen müssen in unserer „Spaßgesellschaft" wieder in Ordnung gebracht werden. Was ist wichtiger: Lustgewinn oder Leidvermeidung? Ist die Sicherheit der Kinder weniger wert als ein Gameboy-Spiel oder eine Tankfüllung


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3.Inhalte des Ki-do

 

Mädchen gibt KniestoßBoxweltmeisterin Regine Halmich wurde nach einer weiteren erfolgreichen Titelverteidigung gefragt, ob sie gegen Männer boxen würde. Sie verneinte und wies ehrlich darauf hin, dass sie keine Chance hätte!

 

Hat ein 7-jähriges Mädchen eine Chance, mit einem Tritt gegen das Schienbein oder mit dem berüchtigten Kniestoß einen Sexualverbrecher umzutreten?

 

Soll sie Konflikte auf dem Schulhof mit Tritten zu lösen versuchen?

Selbstverständlich nicht! Ki-do vermittelt Kindern keine klassischen SV-Techniken wie Schlagen und Treten.

Als intelligente Alternative zu den „Hau-drauf-Konzepten" habe ich „Die 3 A des Ki-do" entwickelt:

  • Ausweichen (z.B. bei physischen Angriffen)
  • Abprallen (z.B. bei Verbalattacken)
  • Abschrecken (z.B. bei sexueller Gewalt)

 

 

Junge weicht einem Handschlag aus
                 Ausweichen!
 

junge bleibt gelassen bei einer Beleidigung

                 Abprallen!

 

Kind schreckt Gegner mit schreien ab
                 Abschrecken!

 

 

Mit diesen 3 A des Ki-do können Kinder prinzipiell alle Gewalt- und Gefahren- sowie alltägliche Stress-Situationen meistern. Sie werden gemeinsam erarbeitet und intensiv anhand diverser Übungen sowie durch authentische Berichte erfolgreicher Fallbeispiele verinnerlicht. Neben persönlichkeits- und gemeinschaftsstärkenden Aufgaben werden die Kinder auch mit einem (stark abgemilderten) Abbild verschiedener Gewalt-Situationen in verschiedenen Simulationen konfrontiert. Die Aufgaben müssen in ihrer Realitätsnähe zwei Anforderungen erfüllen: Sie müssen den Kindern in einer Echt-Situation wirklich helfen und sie müssen immer korrelieren mit der individuellen Leistungsfähigkeit der Kinder!

 

Für die erfolgreiche Anwendung der 3 A des Ki-do braucht es eine gute Basis. Diese Basis, die gleichzeitig die Basis des Ki-do ist, wird aufgebaut durch die 7 Säulen des Ki-do.

 

Die 7 Säulen des Ki-do Die intelligente Selbst-Verteidigung: Köpfchen statt Faust!

 

1.Säule: Die äußere Haltung - starke Ausstrahlung und Körpersprache: „Mit mir nicht!"
Die Körpersprache spielt bei der Vorbeugung eine wesentliche Rolle. Was der ganze Körper zeigt, wirkt auf den Täter viel stärker, als was Worte sagen könnten. Opfersignale werden abgelöst durch eine kraftvolle Ausstrahlung in Haltung, Gestik, Mimik und Stimmkraft. Man versteht die Botschaft: Dieser Mensch kann seinen Standpunkt vertreten und sich verteidigen

 

2.Säule: Die innere Haltung - die Stärkung des Ich
Eine kraftvolle Aus-strahlung ist abhängig von der richtigen Ein-stellung. Äußere und innere Haltung sind in Wechselwirkung. Auch deshalb ist es wichtig, das Ich zu stärken durch die Entwicklung elementar wichtiger Qualitäten wie Selbst-Wertgefühl, Selbst-Vertrauen, Selbst- Ständigkeit, Selbst-Sicherheit, Selbst-Verantwortung, Selbst-Kontrolle, Frustrationstoleranz, Durchhaltevermögen.

Mutige Kinder können sich und darüber hinaus auch anderen helfen!

 

3.Säule: Wachsamkeit und Vor-Sicht schulen - Gefahren erkennen, Gefahren vermeiden
Wer über potentielle Gefahrensituationen bescheid weiß, kann sie besser meiden. Wer seine Umgebung aufmerksam wahrnimmt, kann im Ernstfall schneller und besser reagieren. Hierfür bedarf es u.a. einer Verbesserung der visuellen, auditiven und taktilen Wahrnehmung. Grundsätzlich gilt das Zen-Prinzip: Im Hier und Jetzt sein!

Der klassische SV-Ansatz „Was mache ich, wenn ich reingefallen bin?" wird im Ki-do ersetzt durch den präventiven Ansatz „Was mache ich, damit ich nicht reinfalle?"

 

4.Säule: Das „schlechte Gefühl" aktivieren und sensibilisieren - „Hier ist etwas faul!"
Kinder spüren noch viel natürlicher, wenn etwas nicht stimmt. In diesem Gefühl müssen wir sie bestärken in den Schritten: darauf horchen, darauf vertrauen und dem Gefühl entsprechend handeln - weg!

Dieses Gefühl muß ggf. Priorität haben gegenüber der „Argumentation" des Verstandes.

5.Säule: Kontrolle behalten - trotz Angst, Wut, Schreck und Schmerz
Sicherer Umgang mit Emotionen - Gelassenheit in Stress-Situationen - ist eine Grundvoraussetzung für erfolgreiche Selbst-Verteidigung! Angst lähmt, Schmerz lenkt ab, Wut macht blind.

Wer labil ist und sein Gleichgewicht verliert, egal ob physisch oder psychisch, der verliert den Kampf. Wer stabil ist oder wieder wird und die Kontrolle behält, handelt überlegt, überlegen und - gewinnt!

Das Wissen und die Beherrschung von Entspannungstechniken helfen.

 

6.Säule: Detektivische Fähigkeiten schulen - Täter- und PKW-Beschreibung; Hilfe holen
Trotz der Aufregung muss das Kind im Ernstfall in der Lage sein, Tätermerkmale und Autokennzeichen, etc. aufzunehmen, um Täter ermitteln und weitere Taten vermeiden zu helfen. Diese aktive Rolle hilft „nebenbei" dem Kind aus einer ev. momentanen Opfer- u. Verlierer- Position in eine finale Sieger-Position zu kommen, was für eine Re-Stabilisierung wichtig ist.

Generell muß das Kind den Mut und eine Person finden sich anzuvertrauen, um sich helfen zu lassen. Hilfe holen gehört also zur Selbst-Verteidigung durchaus dazu! Bei Bedarf werden gern örtliche Beratungsstellen genannt.

 

7.Säule: Partnerschaftlicher Umgang, Stärkung des Wir-Gefühls und der Zivilcourage
So wichtig wie die Individualisierung ist die Erziehung zur Gemeinschaft und sozialer Verantwortung, auch um gegenseitiges Helfen im Notfall zu ermöglichen. Vertrauensbildende Spiele, spielerisches Kräftemessen und Förderkämpfe helfen im partnerschaftlichen Umgang. Möglichkeiten gewaltfreier Auseinandersetzung und Deeskalationstechniken in der Konfliktlösung werden gelernt.

Medien, die Gewalt als Mittel der Konfliktlösung präsentieren, brauchen deutliche Gegengewichte.

Integration und Stärkung des Wir-Gefühls sowie eine Kultur des Streitens und des (selbstständigen) Vertragens verhindern Gewalt. Die Stärkung der Zivilcourage lässt kein Opfer allein.

 

Für die Kinder habe ich eine kindgerechte Kurzfassung der 7 Säulen des Ki-do entwickelt:


Die 7 Ki-do Regeln:
1. schlau
2. mutig / kernig
3. wachsam
4. schnell
5. nett
6. anstrengungsbereit - Übung macht den Meister!

7. wissen, wollen und tun!

 

Die Ki-do Regeln haben einen ganz besonderen Wert für die Kinder. Sie helfen ihnen nicht nur in Gefahren- und Gewaltsituationen. Sie haben Gültigkeit in jedem Bereich des Alltags.
Damit sind sie im wahrsten Sinne alltagstauglich, da sie den Kindern jederzeit Hilfestellung und Handlungsanweisung geben - über das Seminar hinaus und auch und gerade im normalen Unterricht.

Die Ki-do Regeln werden näher erläutert unter Ki-do Urkunden.

 

Wer soll die Inhalte eines Selbst-Verteidigungs-Seminars vermitteln?
In diesem Gebiet ist in ein männlicher Lehrer besonders wichtig. Warum?
In den meisten Fällen geht die Gewalt an Mädchen und Frauen von Jungen und Männern aus.
Üben Mädchen mit männlichen Partnern, lernen sie, sich mit männlichen Angreifern erfolgreich auseinander zu setzen.
Die Jungen brauchen einen männlichen Lehrer aus einem anderen Grund. Sie benötigen dringend positive männliche Vorbilder, die ihnen Orientierung geben für ihr „männliches" Verhalten in Konfliktsituationen, so dass sie

  • ein richtiges Verständnis von Feigheit und Mut entwickeln,
  • die durchaus positive Funktion von Schreck und Angst verstehen und einsehen, dass man(n) Angst haben und Emotionen zugeben darf,
  • erkennen, dass Weglaufen oder Nachgeben nicht feige sondern schlau sein kann und
  • den Grundsatz „Köpfchen statt Faust" verinnerlichen.

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4.Methodik des Ki-do

 

  Junge und Mädchen halten Händchen
  Gemeinsam: Erfolgserlebnisse
erarbeiten und Wir-Gefühl entwickeln
   

In seiner Methodik stützt sich Ki-do auf die Erziehungswissenschaft, die (Lern-)Psychologie und die verschiedenen Lerntheorien von Thorndike, Skinner, Ausubel, Köhler, Bandura, etc.

Lernen wird in der Pädagogik definiert als Verhaltensänderung durch Erfahrung. Besonders gut lernt man, wenn sich das zu Lernende über Handeln einprägt, betont Prof. Dr. Struck.

Wer Kindern seriös und effektiv Selbst-Verteidigung beibringen will, muß sie tun lassen und ihnen Erfahrungen auf diesem Gebiet ermöglichen. Learning by doing hat ganz andere Effekte als das Erteilen von Ratschlägen, das Vorlesen von Büchern oder ein Puppentheater.

Der verantwortungsvolle Selbst-Verteidigungs-Lehrer hat die „paradoxe" Aufgabe, seinen Schützling mit realitätsnahen (nicht realistischen!) Gewaltsimulationen zu konfrontieren und wohldosiert anzugreifen, damit dieser Selbst-Verteidigungs-Maßnahmen lernen und üben kann. Gleichzeitig werden so die Abwehrkräfte des Schützlings geweckt, seine „Nehmer-Qualitäten" und sein Mut entwickelt.

 

Vergleichbares finden wir auch außerhalb der Selbst-Verteidigung. Wer als Torwart Bälle abwehren soll, muß sich im Training die „Granaten" um die Ohren fliegen lassen. Beim Punktspiel stellt kein Trainer jemanden ins Tor, der nur mit Luftballons oder gar nicht geübt hat.

 

Methodische Eckpfeiler:

 Mit Beginn des Seminars wird eine solidarische Gruppenstruktur geschaffen. Alle sitzen in einem Boot, keiner wird bei seinen (Fehl-)Versuchen ausgelacht oder ausgegrenzt. Jeder gibt sein Bestes sowie den anderen Unterstützung, damit die ganze Gruppe die Aufgabe schafft. Das so aufgebaute Gefühl der Gemeinsamkeit, das Wir-Gefühl, optimiert den Lernerfolg, sichert die Nachhaltigkeit und reduziert Konflikte in der Klasse.

 

Alle Übungen und Angriffs-Simulationen werden auf jede Gruppe und individuell auf jedes Kind so zugeschnitten, dass sie von jedem Kind - auch von Kindern mit Behinderungen - zu meistern sind! Die Aufgaben sind anspruchsvoll, fordernd und zunächst auch ein Stück weit überfordernd. Aber jedes Kind darf so lange üben, bis es erfolgreich ist und sein Selbst-Vertrauen zu Recht wachsen kann. Zum individuellen Erfolg kommt der Erfolg der Gruppe. Es wird geübt, bis die ganze Gruppe die Aufgabe geschafft hat. Niemand bleibt zurück!

 

In den Übungen werden die Kinder meist unvorbereitet mit Problemen konfrontiert, die sie selbst analysieren und für die sie selbst eine Lösung finden müssen - so wie im Ernstfall auch. Da die Lösung ihr Eigentum ist, können sie sie nie vergessen. Außerdem können sie Lösungs-Muster modifizieren bzw. neue Lösungen entwickeln, wenn das Übungs-Muster die Echt-Situation nicht abdeckt. Beim Üben erfahren sie umgehend die Wirksamkeit ihrer Maßnahmen.

 

Da einige Übungen mit Wahrnehmungsaufgaben gekoppelt sind, erfahren die Kinder auch sich selbst. Dies ist für die Entwicklung des Selbst-Vertrauens in doppelter Hinsicht wichtig. Beim Üben machen sie Fehler - „gute" Fehler. Sie sollen Fehler im behüteten Rahmen des Seminars machen und daraus lernen, damit sie in der Realität ohne Fehler richtig reagieren.

 

Unterrichtsgespräche beenden die Übungs-Einheiten. Sie klären letzte Fragen, sichern den Lernerfolg und den Transfer in der Echt-Situation. Besonders hilfreich in diesem Zusammenhang sind die Ki-do Sprüche: kindgerechte, komprimierte, aussagestarke Handlungshilfen.

Was nicht im Handeln erfahren werden kann / soll, wird durch authentische und bildstarke Geschichten gewissermaßen zum „Ersatz-Erlebnis". Spielerische Elemente und Humor ermöglichen den Kindern den Wechsel von Spannung und Entspannung sowie ein Lernen mit Freude und Begeisterung.

 

Die Übungen sind eine „Zumutung"! Verbalattacken, Schubsen, Schwertangriffe, etc. Aber: „Mutige Kinder brauchen mutige Erzieher, die ihnen etwas zumuten!" Wer Kinder mutiger machen will, muß ihnen etwas zumuten. Wer sie vor Verletzungen
schützen will, muß sie mit realitätsnahen Angriffs-Simulationen und anspruchsvollen Aufgaben konfrontieren.

 

Es macht viel Freude, die Kinder am Ende des Seminars zu beobachten, wenn sie z.B. jedes Hänseln lässig grinsend abprallen lassen, bei einem körperlichen Angriff gekonnt ausweichen und Stärke ausstrahlen „Mit mir nicht!"

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5.Männliche oder weibliche Lehrer in der Selbst-Verteidigung?


Auf die generelle Problematik, dass in der Erziehung (Kindergarten, Grundschule) männliche Pädagogen fast komplett fehlen, kann an dieser Stelle nicht eingegangen werden.
Hier geht es allein um die Frage:
Brauchen Jungen und Mädchen im Fach Selbst-Verteidigung männliche oder weibliche Lehrer? Die Frage nach dem Geschlecht des Lehrers ist in der Tat sehr bedeutsam.

 

Generell ist in dem Gebiet der Selbst-Verteidigung ein männlicher Lehrer besonders wichtig! Warum?

1. Optimale Vorbereitung für Mädchen
In den meisten Fällen geht die Gewalt an Mädchen und Frauen von Jungen und Männern aus. Mädchen brauchen zum Üben also männliche Partner, um zu lernen,

  • sowohl ihre Angst vor männlichen Angreifern zu meistern,
  • als auch sich mit männlichen Angreifern erfolgreich auseinander zu setzen.

Das ermöglicht ihnen die nötige Erfahrung und das nötige Selbst-Vertrauen für Echt-Situationen.

 

2. Positive Vorbilder für Jungen
Die Jungen brauchen einen männlichen Trainer aus einem anderen Grund. Sie benötigen dringend positive männliche Vorbilder, die ihnen Orientierung geben für ihr „männliches" Verhalten in Konfliktsituationen, so dass sie

  • ein richtiges Verständnis von Feigheit und Mut entwickeln,
  • die überaus positive Funktion von Schreck und Angst verstehen und einsehen, dass man(n) Angst haben und Emotionen zugeben darf,
  • erkennen, dass Weglaufen oder Nachgeben nicht feige sondern schlau sein kann und
  • den Ki-do Grundsatz „Köpfchen statt Faust" verinnerlichen.


Es ist für Jungen nicht unerheblich, wer „Gewalt ist keine Lösung!" predigt:
jemand, der körperlich ohnehin schwach ist oder
jemand, der zwar über Kraft verfügt, aber die Faust beherrscht und die geistige Kraft (Ki) benutzt.

 

Für manche weibliche Lehrer ist es nicht einfach, männliche Lehrer in ihr Team zu holen.

 

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6.Mitgestaltung der Ki-do Seminare

 

Um den Effekt der Seminare zu maximieren, werden alle Beteiligten - Kinder, Eltern und Pädagogen - in die Arbeit mit eingebunden. Dies Element der Mitgestaltung der Seminare ist ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg. Die verschiedenen Formen der Mitgestaltung sollen kurz erläutert werden.

 

6.1 Mitgestaltung durch die Kinder

a) Indirekte Mitgestaltung durch die Kinder
Keine Kindergruppe ist wie die andere. Sowohl das einzelne Kind als auch die Gruppe ist einzigartig. Deshalb darf ihnen auch kein knebelndes Lernprogramm übergestülpt werden. Die Gruppe und auch das einzelne Kind müssen - dem Leitsatz der Montessori-Pädagogik entsprechend - da abgeholt werden, wo sie stehen. So werden also die Übungen und die Reihenfolge der Übungen zugeschnitten auf die Situation, das Leistungsniveau und die Belange der Kinder. Das nenne ich indirekte Mitgestaltung.

 

b) Direkte Mitgestaltung durch die Kinder
Die Kinder werden während des Seminars immer wieder ermuntert, Fragen zu stellen, eigene Erlebnisse zu erzählen, Rat abzuholen. Aus jedem einzelnen persönlichen Fall können alle etwas lernen. Wer das persönliche Gespräch mit mir sucht, findet die Gelegenheit in den Pausen. Lösungen lassen sich auch ohne Nennung von Namen und unter Berücksichtigung von Hemmungen und Privatsphäre im Seminar erarbeiten. Inhaltliche Wünsche der Kinder werden selbstredend behandelt.

 

6.2 Direkte Mitgestaltung durch Eltern

a) Vor Durchführung des Seminars
Bei der Wahl der Schwerpunkte im Seminar werden Wünsche gern integriert.

 

b) Während des Seminars
Durch die Möglichkeit der täglichen Hospitation und den Austausch am Ende eines Seminartages wird nicht nur eine Transparenz für die Eltern geschaffen. Es entsteht auch die Möglichkeit, spontane Wünsche der Eltern - insbesondere unter Berücksichtigung von Besonderheiten und individueller Probleme der Kinder sowie Gewalterfahrungen - pädagogisch aufbereitet zu behandeln.

 

6.3 Direkte Mitgestaltung durch Pädagogen

a) Vor Durchführung des Seminars
Bei der Wahl der Schwerpunkte im Seminar werden die Wünsche derjenigen, die ihre Lerngruppe optimal kennen, selbstredend gern integriert.

 

b) Während des Seminars
Finden die Seminare am Schulvormittag in der Klasse statt, können die Kolleginnen und Kollegen die Seminare komplett begleiten. So wird eine enge Zusammenarbeit ermöglicht. Der Austausch über auffällige Schüler erleichtert ein individuelles Eingehen und eine effektive Förderung sowohl von besonders sensiblen Kindern als auch von Kindern in Opfer- bzw. Täterrolle.

Berichten die Kolleginnen und Kollegen über besondere Vorkommnisse in der Klasse, können diese sofort und flexibel in die Seminararbeit eingearbeitet und pädagogische Lösungen entwickelt werden.

 

Nach dem Seminar können die Klassenlehrer/innen auf die Lernerfolge und die Ki-do Regeln zurückgreifen und im alltäglichen Unterricht nutzen.

Durch unsere besonderen Ki-do-Fortbildungs-Seminare für Pädagogen und für Eltern wird unsere Gewaltpräventionsarbeit in ihrer Effektivität noch gesteigert.

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7.Opferberatung und Opferhilfe im Ki-do

 

Bei leichteren Gewalterfahrungen reicht in der Regel die Teilnahme an einem Ki-do Seminar, um dem Kind entsprechend zu helfen.

Bei (subjektiv empfundenen) schwereren Gewalterfahrungen bestehen folgende Möglichkeiten:

  • Ki-do Privatstunden / Personal Training
  • Beratungsstellen
  • Kinderpsychiatrische Praxen

 

Kontaktadressen werden gern gegeben. Auf Wunsch stellen wir den Kontakt auch her.

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8.Kleine Rechtskunde im Ki-do

 

a) Aus der Sicht des Opfers: Notwehrparagraph
Die rechtliche Grundlage der Selbst-Verteidigung bildet der Notwehrparagraph § 32 StGB. Er muß also - sowie die §§ 33, 34 und 35 - behandelt werden. Besonders verdeutlicht werden muß der Aspekt der Angemessenheit, so dass im Vordergrund die Lösung eines Konflikts ohne Faust und mit Köpfchen steht.

 

b) aus der Sicht des Täters: Strafmündigkeit
Es gibt viele Kinder unter 14 Jahren, die - ohne jegliches Unrechtbewusstsein - Straftaten begehen: vom Ladendiebstahl über Taschendiebstahl, vom Einbruch zum Raubüberfall, von der Ehrverletzung bis zur Körperverletzung. Nach ihrem Verständnis ist etwas, das nicht unter Strafe gestellt wird, nicht wirklich verboten und damit erlaubt.

Die Strafmündigkeit ab 14 Jahren ist also kein ausreichendes erzieherisches Mittel. Der Strafmündigkeit muß in der Erziehung die ethische Verantwortung gegenüber bzw. an die Seite gestellt werden, so dass Kinder und Jugendliche aus ethischen Gründen Straftaten aus Einsicht und veränderter Einstellung unterlassen. Das geschieht im Ki-do.

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9.Organisation der Ki-do Seminare für Kinder

 

Alter:
Je früher das Lernalter (ab Kindergarten), in dem mit Gewaltprävention begonnen wird, desto besser - so die klare erziehungswissenschaftliche Position. Konfliktfähigkeit und Selbst-Verteidigung werden nicht nur für die Gegenwart gelernt, sondern immer auch für die Zukunft! Auch daraus leitet sich ein früher Beginn ab.

 

Aufbau des Seminars:
Das Sicherheitstraining für Kinder und Jugendliche besteht aus 4 Teilen:

  • Einführungsveranstaltung für Pädagogen und Eltern - Vortrag
  • Seminar für die Kinder - 14 Unterrichtsstunden
  • Hospitation der Pädagogen und Eltern während des Seminars
  • Abschlußveranstaltung für Pädagogen und Eltern: Austausch und Ausblick

 

Durchführung des Seminars:
Im Idealfall findet das Sicherheitstraining an drei Vormittagen im Klassenverband im Klassenzimmer bzw. in der Kindergarten-Gruppe statt. Im normalen Unterrichtsrahmen wirkt das Seminar optimal.

  • Wenn Deutsch, Mathe o.ä. für ein paar Tage ausfallen, bekommt Gewaltprävention im Bewusstsein von Kindern, Eltern und Pädagogen den notwendig höheren Stellenwert.
  • Pädagogen bekommen gleichzeitig eine interne Fortbildung und Unterrichtshilfen.
  • Es stärkt das Wir-Gefühl der Gruppe, reduziert Konflikte und Gewalt und holt die durch das Seminar „verlorene Unterrichtszeit" dadurch mehrfach wieder herein.
  • Es werden auch die Kinder erreicht, die von den Eltern bei einer unverbindlichen Nachmittagsaktion nicht geschickt würden. Gerade sie haben das Seminar meist besonders nötig:

           a) Diese Kinder sind entweder besonders sensibel oder
           b) besonders aggressiv und/oder
           c) sie sind Opfer von häuslicher Gewalt und Missbrauch.

Nachmittags- oder Wochenend-Seminare sowie Projektwochen und Klassenfahrt sind auch möglich.

 

Der Unterricht ist grundsätzlich koedukativ:

„Wer den anderen kennt, kann sich besser vertragen!" Gewalt von Männern an Frauen verhindern oder reduzieren wir nicht durch eine Trennung der Geschlechter sondern durch ihre Zusammenführung.

 

Mitsprache bei den Seminar-Inhalten:
Bei der Wahl der Schwerpunkte im Seminar werden Wünsche der Eltern und Pädagogen gern integriert.

 

Weiterführende Seminare:
Aufbau- und Auffrischungs-Seminare finden im Idealfall im Halbjahres-Rhythmus statt.

 

Privatunterricht / Personal Training:
In besonderen Fällen helfen wir mit Einzelunterricht.

 

Unterrichtsmaterial:
Alles notwendige Material wird vom Seminarleiter mitgebracht.

 

Seminarkosten:
Die Kosten entnehmen Sie bitte der jeweiligen Seminar-Ausschreibung. (kinderreiche Familien erhalten Ermäßigung).

 

Wirkungsbereich:
Wir führen unsere Seminare bundesweit durch.

We can also conduct Ki-do courses in English in any European country.

 

Seminarleitung:
Ralf R. Ide.

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10.Zur Person / der Seminarleiter

 

Ralf R. Ide, Erziehungswissenschaftler, 1958 als Ältester von vier Brüdern in Bremen geboren, geschieden, vier Kinder.
Studien und Examina: Pädagogik, Sportwissenschaft, ev. Theologie, Anglistik - Studienrat.
Weitere Studien: Psychologie, Zen-Buddhismus, Sprachen
Kampfsportausbildung: Judo, Taekwondo, Tai Chi, Aikido, Iaido, Jiu Jitsu, Kung Fu, Kyusho und Karate
= über 45 Jahre Budo-Erfahrung Graduierung und Lizenzen: u.a. 5. DAN Karate und 1. DAN Jiu Jitsu, Bundesprüfer-Lizenzen, Trainer-B-Lizenz des DOSB

 

Berufserfahrung:

  • 1973 - heute: Trainertätigkeit Karate, ferner Turnen, Schwimmen, Rudern
  • 1984 - 1999: Lehrertätigkeit an Gymnasien, Berufsbildenden Schulen, Hauptschulen, Grundschulen, Waldorfschulen, Sprachschulen
  • 1984 - heute: Dozent an verschiedenen VHS, Familienbildungsstätten, Kreissportverb.
  • 1984 - heute: Selbst-Verteidigungs-Lehrer für Jugendliche und Erwachsene
  • 1986 - 1988: Lehrbeauftragter für Kampfsport an der Universität Hamburg
  • 1992 - 1999: aufgrund persönlicher Betroffenheit Entwicklung eines speziellen Sicherheitstrainings für Kinder und nebenberufliche Durchführung von Ki-do Seminaren zum Schutz der Kinder vor Gewalt sowie Fortbildungen für Pädagogen und Eltern
  • 1999 - heute: hauptberufliche Leitung von Ki-do Seminaren für Kinder sowie Fortbildungs-Seminare für Pädagogen und Eltern

 

Lehrer:

Prof. Tiwald, Prof. Struck, Prof. Tausch, Meister Yagi, Sensei Ochi, Wichmann und Pflüger

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