2. Ziele des Ki-do

Ziele, Inhalte und Methoden des Ki-do sind abgeleitet aus den realen (Gewalt-) Problemen der
Kinder, die hier nur kurz angerissen werden sollen.
Psychische Gewalt durch (stark sexualisierte) Verbalattacken und Gesten, Mobbing und
Ausgrenzen verursachen psychosomatische Störungen, Gegen-Gewalt und Auto-Aggression.
Spucken, Schubsen, Würgen, Schläge und Tritte (in die Genitalien) sind alltägliche Formen
physischer Gewalt. Ca. 300.000 Kinder werden jährlich Opfer sexueller Gewalt in Deutschland.
Dazu kommen Unfälle, Auto-Destruktion und Gewalt an Dingen (Vandalismus, Raub).
Diese massiven Probleme der Kinder zwingen uns Erwachsene zum Handeln.

Die Ziele im Ki-do sind unterteilt in allgemeine und differenzierte Zielsetzung.

Allgemeine Zielsetzung:
Auf einen Satz gebracht ist das Ziel des Ki-do: Kinder schützen, indem wir sie stärken!
Dabei gibt es im Ki-do zwei Ansätze: den präventiven und den re-stabilisierenden Ansatz,
wobei – das sei betont – Prävention leichter und kostengünstiger zu realisieren ist:

a) Präventiver Ansatz
1. Potentielle Opfer davor schützen, Opfer zu werden = Leid vermeiden
2. Potentielle Täter davor schützen, Täter zu werden = das Abrutschen verhindern

b) Re-stabilisierender Ansatz
1. Opfer davor schützen, wieder Opfer zu werden = Beratung und Re-stabilisierung
2. Täter davor schützen, wieder Täter zu werden = zurückbringen auf die rechte Bahn

Natürlich geht es dabei in erster Linie um eine Stärkung der Psyche. So lauten zwei im Ki-do
entwickelte Kernthesen:

1. Starke Kinder werden keine Opfer!
2. Wirklich starke Kinder werden keine Täter!


Oder anders ausgedrückt, geht es um Anti-Opfer- und Anti-Aggressions-Training.

Dabei geht es auf der einen Seite um eine frühe Stärkung der individuellen und sozialen
Kompetenzen
und auf der anderen Seite um konsequente Hilfestellung bei gewalttätigem
Fehlverhalten
. Natürlich wollen wir Kinder davor bewahren, Opfer zu werden. Aber es gibt
einen weiteren wichtigen Aspekt: Opfer werden Täter! Die Gewalterfahrung des Opfers führt
häufig dazu, dass es diese Gewalt als Täter weitergibt. Wenn wir die Zahl der Täter reduzieren
wollen, dürfen wir auch aus diesem Grund möglichst keine Opfer zulassen.

Innerlich starke Kinder werden weder Opfer noch Täter! Heftige Emotionen wie Angst,
Schreck, Schmerz und Wut ver- bzw. behindern angemessene und sinnvolle Reaktionen und
senden meist auch Opfersignale aus. Eine schwache Ausstrahlung (Körpersprache) wirkt für
Täter „einladend“. Die Entwicklung von Individualkompetenzen wie Selbst-Kontrolle, Selbst-
Disziplin, Selbst-Verantwortung, Selbst-Ständigkeit, Selbst-Wertgefühl, Selbst-Sicherheit,
Selbst-Vertrauen sowie „Nehmer-Qualitäten“ – oder anders ausgedrückt: Frustrationstoleranz
und Konfliktfähigkeit – spielt also eine fundamentale Rolle im Ki-do.

Wer kommt – so gestärkt – in eine Opferrolle?
Wer verliert – so gestärkt – die Kontrolle bei Frust, Misserfolg oder alltäglichen Konflikten?
Wer muß sich – so gestärkt – durch Gewalt gegen andere „beweisen“?
Wer wirklich stark ist – innerlich stark – tritt nicht mit dem Fuß sondern kämpft mit dem
Kopf, mit der geistigen Kraft: Ki-do!

Von der inneren Stärke ist der erfolgreiche Umgang mit Stress-Situationen maßgeblich
abhängig. Die vielfältigen Stress-Situationen werden im Ki-do in drei Bereiche unterteilt:
1. alltägliche Stress-Situationen (z.B. „Wer geht an die Tafel?“)
2. alltägliche Konflikt-Situationen (z.B. Schubsen, Mittelfinger-Geste)
3. außergewöhnliche Gefahren- und massive Gewalt-Situationen (z.B. Missbrauch)

Ki-do Kinder haben es leichter, diese diversen Stress-Situationen zu meistern.

Differenzierte Zielsetzung:
Um Kinder effektiv zu schützen, muß Selbst-Verteidigung in einem größeren Kontext gesehen
werden. Wir brauchen ein umfassendes Gewaltverständnis, das im Ki-do entwickelt
wurde, und wir brauchen ein umfassendes übergreifendes Konzept, das mit Ki-do vorliegt.
Ki-do macht Kinder stark und konfliktfähig und hilft ihnen, nicht nur Grenzen zu setzen
gegen Angreifer sondern sich in allen Bereichen selbst zu helfen.

Ki-do schützt gegen die verschiedenen Formen der Gewalt durch andere:
- gegen physische Gewalt
- gegen psychische Gewalt
- gegen sexuelle Gewalt

Der übergreifende Ansatz des Ki-do ist darüber hinaus gesundheitserhaltend und -erzieherisch
und schützt vor
- Gefahren und Unfällen (durch Unachtsamkeit, Selbstüberschätzung, etc.)
- Auto-Destruktion (durch falsche Ernährung, Bewegungsmangel, falsche Haltung, etc.)
- Auto-Aggression (dieses wichtige Problemfeld bedarf viel mehr Beachtung: Süchte,
Ritzen und Suizid sprechen eine deutliche und alarmierende Sprache!)

Schließlich fördert Ki-do die Integration und die Achtung vor
- Mitschülern und Lehrern (Respekt ist keine Einbahnstraße!) sowie
- deren Eigentum und der Unterrichtsstätte

Ki-do erweitert den Gedanken der Selbst-Verteidigung zur Wir-Verteidigung:
- Entwicklung bzw. Stärkung des Wir-Gefühls
- Entwicklung bzw. Stärkung der Zivilcourage
Wenn Individual-Kompetenzen und Sozial-Kompetenzen im Einklang sind,
dann wird der Selbst-Verteidigungs-Ansatz „Ich pass auf mich auf!“
zur übergreifenden Wir-Verteidigung „Wir passen auf uns auf!“
Das Aufpassen geschieht im doppelten Sinne: Ich/Wir werde/n nicht Opfer und nicht Täter.
Schließlich muß das Wir-Gefühl so erweitert werden, dass auch Fremde in die Wir-
Verteidigung eingeschlossen werden. Das erfordert auch die Entwicklung von Zivilcourage.

Gewissermaßen als „Nebenprodukt“ verbessert Ki-do die
- Leistungen in der Schule
- die Chancen im Berufsleben
da die Qualitäten, die für die Selbst-Verteidigung gebraucht und entwickelt werden, Basis-
Kompetenzen sind, die ebenso ausschlaggebend sind für den Erfolg auf beruflicher Ebene.

Darüber hinaus unterstützt Ki-do Erzieher/innen, Lehrer/innen und Eltern durch
- Vorträge (Aufklärung, Information)
- Fortbildungs-Seminare

Je fundierter das eigene Wissen, desto leichter und effektiver ist die erzieherische Arbeit.

Abschließend geht es auch um eine Bewusstseinsänderung in der Gesellschaft:
- das Bewusstsein und die Bereitschaft, etwas für die Sicherheit der Kinder auch bei
diesem sensiblen Thema „Gewalt an Kindern“ zu tun, muß gesteigert werden.
- die Relationen müssen in unserer „Spaßgesellschaft“ wieder in Ordnung gebracht
werden. Was ist wichtiger: Lustgewinn oder Leidvermeidung? Ist die Sicherheit der
Kinder weniger wert als ein Gameboy-Spiel oder eine Tankfüllung

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