3. Inhalte des Ki-do

Boxweltmeisterin Regine Halmich wurde nach einer weiteren erfolgreichen Titelverteidigung
gefragt, ob sie gegen Männer boxen würde. Sie verneinte und wies ehrlich darauf hin, dass sie
keine Chance hätte!

Hat ein 7-jähriges Mädchen eine Chance, mit einem Tritt gegen das Schienbein oder mit dem
berüchtigten Kniestoß einen Sexualverbrecher umzutreten?


Selbstverständlich nicht!

Soll sie Konflikte auf dem Schulhof mit Tritten zu lösen versuchen? Selbstverständlich nicht!
Ki-do vermittelt Kindern keine klassischen SV-Techniken wie Schlagen u. Treten. Als intelligente
Alternative zu den „Hau-drauf-Konzepten“ habe ich „Die 3 A des Ki-do“ entwickelt:
- Ausweichen (z.B. bei physischen Angriffen)
- Abprallen (z.B. bei Verbalattacken)
- Abschrecken (z.B. bei sexueller Gewalt)

AusweichenAbprallenAbschrecken

Mit diesen 3 A des Ki-do können Kinder prinzipiell alle Gewalt- und Gefahren- sowie alltägliche
Stress-Situationen meistern. Sie werden gemeinsam erarbeitet und intensiv anhand
diverser Übungen sowie durch authentische Berichte erfolgreicher Fallbeispiele verinnerlicht.
Neben persönlichkeits- und gemeinschaftsstärkenden Aufgaben werden die Kinder auch mit
einem (stark abgemilderten) Abbild verschiedener Gewalt-Situationen in verschiedenen
Simulationen konfrontiert. Die Aufgaben müssen in ihrer Realitätsnähe zwei Anforderungen
erfüllen: Sie müssen den Kindern in einer Echt-Situation wirklich helfen und sie müssen
immer korrelieren mit der individuellen Leistungsfähigkeit der Kinder!

Für die erfolgreiche Anwendung der 3 A des Ki-do braucht es eine gute Basis. Diese Basis,
die gleichzeitig die Basis des Ki-do ist, wird aufgebaut durch die 7 Säulen des Ki-do.



Die 7 Säulen des Ki-do
Die intelligente Selbst-Verteidigung: Köpfchen statt Faust!

1. Säule: Die äußere Haltung – starke Ausstrahlung und Körpersprache: „Mit mir nicht!“
Die Körpersprache spielt bei der Vorbeugung eine wesentliche Rolle. Was der ganze Körper
zeigt, wirkt auf den Täter viel stärker, als was Worte sagen könnten. Opfersignale werden
abgelöst durch eine kraftvolle Ausstrahlung in Haltung, Gestik, Mimik und Stimmkraft. Man
versteht die Botschaft: Dieser Mensch kann seinen Standpunkt vertreten und sich verteidigen

2. Säule: Die innere Haltung – die Stärkung des Ich
Eine kraftvolle Aus-strahlung ist abhängig von der richtigen Ein-stellung. Äußere und innere
Haltung sind in Wechselwirkung. Auch deshalb ist es wichtig, das Ich zu stärken durch die
Entwicklung elementar wichtiger Qualitäten wie Selbst-Wertgefühl, Selbst-Vertrauen, Selbst-
Ständigkeit, Selbst-Sicherheit, Selbst-Verantwortung, Selbst-Kontrolle, Frustrationstoleranz,
Durchhaltevermögen. Mutige Kinder können sich und darüber hinaus auch anderen helfen!

3. Säule: Wachsamkeit und Vor-Sicht schulen - Gefahren erkennen, Gefahren vermeiden
Wer über potentielle Gefahrensituationen bescheid weiß, kann sie besser meiden. Wer seine
Umgebung aufmerksam wahrnimmt, kann im Ernstfall schneller und besser reagieren. Hierfür
bedarf es u.a. einer Verbesserung der visuellen, auditiven und taktilen Wahrnehmung. Grundsätzlich
gilt das Zen-Prinzip: Im Hier und Jetzt sein! Der klassische SV-Ansatz „Was mache
ich, wenn ich reingefallen bin?“ wird im Ki-do ersetzt durch den präventiven Ansatz „Was
mache ich, damit ich nicht reinfalle?“

4. Säule: Das „schlechte Gefühl“ aktivieren und sensibilisieren - „Hier ist etwas faul!“
Kinder spüren noch viel natürlicher, wenn etwas nicht stimmt. In diesem Gefühl müssen wir
sie bestärken in den Schritten: darauf horchen, darauf vertrauen und dem Gefühl entsprechend
handeln – weg! Dieses Gefühl muß ggf. Priorität haben gegenüber der „Argumentation“ des
Verstandes.
5. Säule: Kontrolle behalten – trotz Angst, Wut, Schreck und Schmerz
Sicherer Umgang mit Emotionen – Gelassenheit in Stress-Situationen – ist eine Grundvoraussetzung
für erfolgreiche Selbst-Verteidigung! Angst lähmt, Schmerz lenkt ab, Wut macht
blind. Wer labil ist und sein Gleichgewicht verliert, egal ob physisch oder psychisch, der
verliert den Kampf. Wer stabil ist oder wieder wird und die Kontrolle behält, handelt überlegt,
überlegen und – gewinnt! Das Wissen u. die Beherrschung von Entspannungstechniken helfen

6. Säule: Detektivische Fähigkeiten schulen – Täter- und PKW-Beschreibung; Hilfe holen
Trotz der Aufregung muss das Kind im Ernstfall in der Lage sein, Tätermerkmale und Autokennzeichen,
etc. aufzunehmen, um Täter ermitteln und weitere Taten vermeiden zu helfen.
Diese aktive Rolle hilft „nebenbei“ dem Kind aus einer ev. momentanen Opfer- u. Verlierer-
Position in eine finale Sieger-Position zu kommen, was für eine Re-Stabilisierung wichtig ist.
Generell muß das Kind den Mut und eine Person finden sich anzuvertrauen, um sich helfen zu
lassen. Hilfe holen gehört also zur Selbst-Verteidigung durchaus dazu!
Bei Bedarf werden gern örtliche Beratungsstellen genannt.

7. Säule: Partnerschaftlicher Umgang, Stärkung des Wir-Gefühls und der Zivilcourage
So wichtig wie die Individualisierung ist die Erziehung zur Gemeinschaft und sozialer Verantwortung
– auch um gegenseitiges Helfen im Notfall zu ermöglichen. Vertrauensbildende
Spiele, spielerisches Kräftemessen und Förderkämpfe helfen im partnerschaftlichen Umgang.
Möglichkeiten gewaltfreier Auseinandersetzung und Deeskalationstechniken in der Konfliktlösung
werden gelernt. Medien, die Gewalt als Mittel der Konfliktlösung präsentieren, brauchen
deutliche Gegengewichte. Integration und Stärkung des Wir-Gefühls sowie eine Kultur
des Streitens und des (selbstständigen) Vertragens verhindern Gewalt. Die Stärkung der Zivilcourage
lässt kein Opfer allein.


Für die Kinder habe ich eine kindgerechte Kurzfassung der 7 Säulen des Ki-do entwickelt:
Die Ki-do Regeln:
1. schlau
2. mutig / kernig
3. wachsam
4. schnell
5. nett
6. Übung – macht den Meister!

Die Ki-do Regeln haben einen ganz besonderen Wert für die Kinder. Sie helfen ihnen nicht
nur in Gefahren- und Gewaltsituationen. Sie haben Gültigkeit in jedem Bereich des Alltags.
Damit sind sie im wahrsten Sinne alltagstauglich, da sie den Kindern jederzeit Hilfestellung
und Handlungsanweisung geben – über das Seminar hinaus und auch und gerade im normalen
Unterricht. Die Ki-do Regeln werden näher erläutert unter Ki-do Urkunden.

Wer soll die Inhalte eines Selbst-Verteidigungs-Seminars vermitteln?
In diesem Gebiet ist in ein männlicher Lehrer besonders wichtig. Warum?
In den meisten Fällen geht die Gewalt an Mädchen und Frauen von Jungen und Männern aus.
Üben Mädchen mit männlichen Partnern, lernen sie, sich mit männlichen Angreifern erfolgreich
auseinander zu setzen.
Die Jungen brauchen einen männlichen Lehrer aus einem anderen Grund. Sie benötigen
dringend positive männliche Vorbilder, die ihnen Orientierung geben für ihr „männliches“
Verhalten in Konfliktsituationen, so dass sie
- ein richtiges Verständnis von Feigheit und Mut entwickeln,
- die durchaus positive Funktion von Schreck und Angst verstehen und einsehen, dass
man(n) Angst haben und Emotionen zugeben darf,
- erkennen, dass Weglaufen oder Nachgeben nicht feige sondern schlau sein kann und
- den Grundsatz „Köpfchen statt Faust“ verinnerlichen.

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