4. Methodik des Ki-do

In seiner Methodik stützt sich Ki-do auf die Erziehungswissenschaft, die (Lern-)Psychologie
und die verschiedenen Lerntheorien von Thorndike, Skinner, Ausubel, Köhler, Bandura, etc.
Lernen wird in der Pädagogik definiert als Verhaltensänderung durch Erfahrung. Besonders
gut lernt man, wenn sich das zu Lernende über Handeln einprägt
, betont Prof. Dr. Struck.

Wer Kindern seriös und effektiv Selbst-Verteidigung beibringen will, muß sie tun lassen und
ihnen Erfahrungen auf diesem Gebiet ermöglichen. Learning by doing hat ganz andere Effekte
als das Erteilen von Ratschlägen, das Vorlesen von Büchern oder ein Puppentheater.
Der verantwortungsvolle Selbst-Verteidigungs-Lehrer hat die „paradoxe“ Aufgabe, seinen
Schützling mit realitätsnahen (nicht realistischen!) Gewaltsimulationen zu konfrontieren und
wohldosiert anzugreifen, damit dieser Selbst-Verteidigungs-Maßnahmen lernen und üben
kann. Gleichzeitig werden so die Abwehrkräfte des Schützlings geweckt, seine „Nehmer-
Qualitäten“ und sein Mut entwickelt.

Vergleichbares finden wir auch außerhalb der Selbst-Verteidigung. Wer als Torwart Bälle abwehren
soll, muß sich im Training die „Granaten“ um die Ohren fliegen lassen. Beim Punktspiel
stellt kein Trainer jemanden ins Tor, der nur mit Luftballons oder gar nicht geübt hat.

Methodische Eckpfeiler: Mit Beginn des Seminars wird eine solidarische Gruppenstruktur
geschaffen. Alle sitzen in einem Boot, keiner wird bei seinen (Fehl-)Versuchen ausgelacht
oder ausgegrenzt. Jeder gibt sein Bestes sowie den anderen Unterstützung, damit die ganze
Gruppe die Aufgabe schafft. Das so aufgebaute Gefühl der Gemeinsamkeit, das Wir-Gefühl,
optimiert den Lernerfolg, sichert die Nachhaltigkeit und reduziert Konflikte in der Klasse.


Gemeinsam:
Erfolgserlebnisse erarbeiten und Wir-Gefühl entwickeln

Alle Übungen und Angriffs-Simulationen werden auf jede Gruppe und individuell auf jedes
Kind so zugeschnitten, dass sie von jedem Kind – auch von Kindern mit Behinderungen – zu
meistern sind! Die Aufgaben sind anspruchsvoll, fordernd und zunächst auch ein Stück weit
überfordernd
. Aber jedes Kind darf so lange üben, bis es erfolgreich ist und sein Selbst-
Vertrauen zu Recht wachsen kann. Zum individuellen Erfolg kommt der Erfolg der Gruppe.
Es wird geübt, bis die ganze Gruppe die Aufgabe geschafft hat. Niemand bleibt zurück!

In den Übungen werden die Kinder meist unvorbereitet mit Problemen konfrontiert, die sie
selbst analysieren und für die sie selbst eine Lösung finden müssen – so wie im Ernstfall
auch. Da die Lösung ihr Eigentum ist, können sie sie nie vergessen. Außerdem können sie
Lösungs-muster modifizieren bzw. neue Lösungen entwickeln, wenn das Übungs-Muster die
Echt-Si-tuation nicht abdeckt. Beim Üben erfahren sie umgehend die Wirksamkeit ihrer
Maßnahmen. Da einige Übungen mit Wahrnehmungsaufgaben gekoppelt sind, erfahren die
Kinder auch sich selbst. Dies ist für die Entwicklung des Selbst-Vertrauens in doppelter
Hinsicht wichtig.
Beim Üben machen sie Fehler – „gute“ Fehler. Sie sollen Fehler im behüteten Rahmen des
Seminars machen und daraus lernen, damit sie in der Realität ohne Fehler richtig reagieren.

Unterrichtsgespräche beenden die Übungs-Einheiten. Sie klären letzte Fragen, sichern den
Lernerfolg und den Transfer in der Echt-Situation. Besonders hilfreich in diesem Zusammenhang
sind die Ki-do Sprüche: kindgerechte, komprimierte, aussagestarke Handlungshilfen.
Was nicht im Handeln erfahren werden kann / soll, wird durch authentische und bildstarke
Geschichten gewissermaßen zum „Ersatz-Erlebnis“.
Spielerische Elemente und Humor ermöglichen den Kindern den Wechsel von Spannung und
Entspannung sowie ein Lernen mit Freude und Begeisterung.

Die Übungen sind eine „Zumutung“! Verbalattacken, Schubsen, Schwertangriffe, etc. Aber:
„Mutige Kinder brauchen mutige Erzieher, die ihnen etwas zumuten!“
Wer Kinder mutiger machen will, muß ihnen etwas zumuten. Wer sie vor Verletzungen
schützen will, muß sie mit realitätsnahen Angriffs-Simulationen und anspruchsvollen
Aufgaben konfrontieren. Es macht viel Freude, die Kinder am Ende des Seminars zu
beobachten, wenn sie z.B. jedes Hänseln lässig grinsend abprallen lassen, bei einem
körperlichen Angriff gekonnt ausweichen und Stärke ausstrahlen „Mit mir nicht!“.

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